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Gastronomieberatung durch Social Media & Crowdsourcing

Gas­tro­no­mie – Geschmack und Tradition

Den Kun­den als gebil­de­ten Men­schen mit Geschmack ernst­neh­men – genau mit die­ser Moti­va­tion füh­ren Gas­tro­no­men bereits seit Beginn der Bran­che ihre Nie­der­las­sun­gen. Doch wie kann dies gelin­gen? Der übli­che Weg war tra­di­tio­nell, dass Gas­tro­no­men Gerichte aus ihrer Berufs­er­fah­rung her­aus kon­zi­pier­ten und diese mit attrak­ti­ven opti­schen Attri­bu­ten in einem innen­ar­chi­tek­to­nisch durch­dach­ten Flair ser­vier­ten. Alter­na­tiv beschränk­ten sich Restau­ran­tan­bie­ter auf tra­di­tio­nelle Gerichte: „Döner“, „Pizza“, „China-Imbiss“ oder ähnli­ches – hier­bei fin­den sich auto­ma­tisch Ziel­grup­pen über­all auf der Welt.

Die Menge ent­schei­det – gute Gas­tro­no­mie­be­ra­tung defi­niert sich durch Vielfalt

Im 21. Jahr­hun­dert nun ist eine Ver­än­de­rung zu beob­ach­ten. Das Inter­net erhebt den mensch­li­chen Gemein­schafts­sinn zum all­ge­mei­nen Kul­tur­gut. Das Wort eines jeden Inter­net­nut­zers zählt in glei­cher Weise. Dies ist nicht nur reine Theo­rie, son­dern formt sich auch im Bewusst­sein der Anwen­der. Wer E-Mails schreibt, eigene Web­sei­ten erstellt oder die Auf­tritte ande­rer öffent­lich kom­men­tiert, bewegt die Welt, so weiß man. Das Inter­net wird nur mög­lich unter Betei­li­gung der „Masse“ (eng­lisch: „crowd“). Für den Gas­tro­no­men bie­tet sich gerade an die­ser Stelle ein uner­schöpf­li­cher Geschäfts­vor­teil: Kuli­na­ri­sches Wis­sen ist nicht nur auf die Fach­bran­che beschränkt – son­dern jeder ein­zelne Kunde ver­fügt über Kennt­nisse aus der eige­nen Küche, über jahr­zehn­te­lange Geschmacks­bil­dung und über fami­liäre Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen aus Küche und Imbiss. Dies erhält umso mehr Bedeu­tung, weil sich die deut­sche Bevöl­ke­rung in ihrer Her­kunft aus vie­len ver­schie­de­nen Län­dern zusam­men­setzt. Tür­ki­sche, ost­eu­ro­päi­sche, süd­län­di­sche, ara­bi­sche, auch unter­schied­li­che Akzente der gut­bür­ger­li­chen Küche und andere Kennt­nisse sind All­tags­be­stand­teil vie­ler Fami­lien. Sie bil­den somit in ihrem Wis­sen „Res­sour­cen“, auf die Gas­tro­no­men in ihrem Kun­den­dia­log zur Ange­bots­er­wei­tung zurück­grei­fen kön­nen. Der Kunde wird somit zum Gas­tro­no­mie­be­ra­ter, der auf­merk­same Gas­tro­nom betreibt hier „Crowd­sour­cing”.

Wie kuli­na­ri­sche Demo­kra­tie zur beweg­li­chen Spei­se­karte wird

Es lässt sich diese Stra­te­gie kon­ti­nu­ier­lich anwen­den: Täg­lich kön­nen Kun­den (über die Social Media) aktiv an der Spei­se­karte mit­ge­stal­ten. Es geschieht somit Gas­tro­no­mie­be­ra­tung im Sinne des Prin­zips „Jeder stelle sich sei­nen eige­nen Bur­ger zusam­men“. Dies natür­lich weit vor der Bestel­lung und online – so kann ein „Bur­ger­vor­schlag“ von einem ent­spre­chen­den User mit einer Bezeich­nung ver­se­hen wer­den. Die­ses Pro­dukt lässt sich dann von jedem bestel­len. Die­ses Vor­ge­hen berei­chert die Ange­bots­pa­lette des Gas­tro­no­men um ein Spek­trum, wel­ches die­ser selbst oder im Team nicht erreicht hätte. Unten im Text wird der Unter­neh­mer „4food“ aus New York beschrie­ben, der auf diese Weise rund 20.000 ver­schie­dene Arten von Bur­gern prä­sen­tie­ren kann. Kun­den, deren Ideen sich direkt nie­der­schla­gen, füh­len sich ernst genom­men und respek­tie­ren den Unter­neh­mer als ver­stän­di­gen und sen­si­blen „Wunsch­er­fül­ler“. Andere Gäste, die selbst keine Vor­schläge bei­steu­ern, erhal­ten einen ähnli­chen Ein­druck: Sie erfah­ren „gelebte Demo­kra­tie“ und neh­men mit Wert­schät­zung wahr, dass ihnen die vor­han­de­nen Gerichte nicht „ein­fach vor­ge­setzt“ wer­den. Son­dern Ent­ste­hungs­pro­zesse von Spei­se­kar­ten las­sen sich trans­pa­rent nachvollziehen.

Idea­lis­mus als pro­fi­ta­ble Zielgerade

Der Gas­tro­nom, der maß­ge­schnei­derte Menüs anbie­tet, kann sich einer zuver­läs­si­gen Stamm­kund­schaft sicher sein. Allein die Moti­va­tion, die eigene Rezep­tidee pro­fes­sio­nell zube­rei­tet zu wis­sen, genügt einem zukünf­ti­gen Gast, um sich an „Crowd­sour­cing“ zu betei­li­gen. Sicher­lich steht es jedem Unter­neh­mer frei, auch hier dia­lo­gi­schen Spiel­raum aus­zu­schöp­fen. So kann die Mög­lich­keit ange­bo­ten wer­den, dem Inter­netu­ser gewis­ser­ma­ßen ein „Patent“ zu ver­lei­hen für die selbst kre­ierte Menü-Option. Jedes Mal nun, wenn die­ses Gericht die Theke ver­lässt, kann dem „Urhe­ber“ ein bestimm­ter Betrag auf ein Kun­den­konto gut­ge­schrie­ben wer­den. So wer­den tat­säch­lich in der Gas­tro­no­mie zuwei­len bereits Gut­scheine, Rabatte oder Ver­rech­nungs­punkte als Anreiz zur Teil­nahme an Pro­jek­ten die­ser Art ver­wen­det. Doch dies ist sicher nicht zu emp­feh­len: Der Gast, der aus per­sön­li­chem und kuli­na­ri­schem, aber nicht finan­zi­el­lem Inter­esse eine Spei­se­karte mit­ge­stal­ten, den Koch oder Restau­rant­be­sit­zer unter Umstän­den sogar bewusst her­aus­for­dern möchte, gene­riert die bes­ten Ideen. Nur der frei­wil­lig und per­sön­lich moti­vierte (Online-)Gast als Ide­en­ge­ber ist eine wich­tige Säule dau­er­haf­ter und zuver­läs­si­ger Umsatz­ge­ne­rie­rung. Dies kann über Twit­ter, Face­book, über die kon­ven­tio­nelle E-Mail gesche­hen, jedoch ebenso lässt sich ein ent­spre­chen­der Dia­log über die Unter­neh­mens­web­seite auslösen.

Beklei­dungs­ar­ti­kel und auch kon­krete Ange­bots­ak­tio­nen eini­ger Han­dels­kon­zerne haben sich bereits allein durch „Crowd­sour­cing“ kre­ie­ren kön­nen – mit beträcht­li­chen Umsatz­er­fol­gen. Ent­spre­chend lässt sich über Such­ma­schi­nen – ins­be­son­dere im eng­lisch­spra­chi­gen Bereich – Soft­ware schnell aus­fin­dig machen, die genau die­sem Zweck dient. Kun­den kön­nen so „per Ein­zel­klick“ ent­schei­den – je höher die Nut­zer­freund­lich­keit eines „Crowd­sour­cing“-Ange­bo­tes, desto attrak­ti­ver ist es auch.

Gas­tro­no­mie­be­ra­tung für die beson­dere Gelegenheit

Es gibt Fix­punkte im Berufs­le­ben eines Gas­tro­no­men – und im Ver­lauf eines Jah­res­krei­ses, an denen Kun­den beson­dere Chan­cen erhal­ten, zu Wort zu kom­men. Ins­be­son­dere wird dies gerne und vor­teil­haft zu Neu­grün­dun­gen durchgeführt:

Bereits lange bevor der örtli­che Kun­den­ver­kehr sei­nen Anfang nimmt, kann und soll ins­be­son­dere über die sozia­len Medien Kon­takt mit Inter­es­sen­ten auf­ge­nom­men wer­den. Die „inter­ak­tive Spei­se­karte“ wird erstellt – es bie­tet sich etwa an, die gesamte Ori­en­tie­rung eines neu zu eröff­nen­den Restau­rants aus Kun­den­ideen zusam­men­zu­stel­len. Wer etwa per Face­book die Bevöl­ke­rung eines bestimm­ten Stadt­teils zu einer Art Bedarfs­ana­lyse auf­ruft, fin­det schnell her­aus, wel­cher Gastronomie-Service zwar noch nicht lokal vor­han­den ist, wohl aber der Men­ta­li­tät der Anwoh­ner entspricht.

Ebenso gilt dies für ein neues Online-Restaurant: Wer her­aus­fin­det, wel­cher Bedarf noch nicht bedient wird, kann sich zum begehr­ten Lie­fer­ser­vice eta­blie­ren. Schnell erge­ben sich umwelt– und ernäh­rungs­be­wusste Anlie­gen: Der gesund­heit­li­che Blick auf die Mahl­zei­ten über­steigt bei wei­tem bereits die Gewohn­hei­ten von Dia­be­ti­kern und Vege­ta­ri­ern. Weit mehr Lebens­mit­tel­all­er­gien oder Vor­lie­ben gibt es, die nicht jedem Gas­tro­no­men geläu­fig sind, durch „Crowd­sour­cing“ aber erst signa­li­siert wer­den. Wer diese Ziel­grup­pen berück­sich­tigt, ist sei­nen Mit­be­wer­bern gegen­über im Vorsprung.

„Crowd­sour­cing“ – und welt­weite Beispiele

Das bekann­teste Bei­spiel des „Crowd­sour­cing“ ist wikipedia.com. Die Masse der Inter­net­nut­zer erstellt ein Nach­schla­ge­werk. Die­ses wird sicher­lich redak­tio­nell gegen­ge­prüft, was bei der rei­nen Wis­sens­ver­mitt­lung unum­gäng­lich ist. Anre­gun­gen, die ein Unter­neh­mer aus der Menge erlangt, dien­ten auch bereits an ande­ren Stel­len in der Wirt­schaft zur Errich­tung voll­stän­di­ger und umsatz­star­ker Pro­jekte – Fir­men wie „McDonald‘s“ oder „iStock­photo“ haben sich allein aus Nut­zer­vor­schlä­gen pro­fi­ta­bel gene­rie­ren können.

Ein Bei­spiel für Gas­tro­no­men ist das New Yor­ker Restau­rant „4food“; abruf­bar unter 4food.com. Es ist dies eine örtli­che Loka­li­tät – mit ein­ge­schränk­tem Lie­fer­ser­vice. Ein Nut­zer der Web­seite kann einen Account ein­rich­ten, um dann bestimmte Mahl­zei­ten per Maus­klick zusam­men­zu­stel­len. Die­ses per­sön­li­che Menü wird dann nicht nur an ihn gelie­fert bzw. zur Abho­lung zurück­ge­stellt, son­dern steht dann auch allen ande­ren wei­te­ren Kun­den zur Verfügung.

Um die Wahl für die nach­rü­cken­den Gäste jedoch zu ver­ein­fa­chen, wird im obe­ren Drit­tel der Web­seite eine „Prio­ri­tä­ten­skala“, also eine Bestell­rang­liste auf­ge­führt. So kann es sein, dass z.B. die Spei­se­kar­ten­op­tion „Angela´s Veg­gie“ die vor­he­rige per­sön­li­che Bestel­lung einer Vege­ta­rie­rin bezeich­net, die der Gas­tro­nom selbst so nicht kre­ie­ren musste, jedoch umsatz­ge­ne­rie­rend ein­set­zen kann. Als Vor­teil die­ser Vor­ge­hens­weise beschreibt man direkt auf der Web­seite, dass die­ses Restau­rant sich „in unend­li­chem Maße den kul­tu­rel­len Gewohn­hei­ten und ver­schie­dens­ten Lebens­sti­len“ der Kun­den­ge­mein­schaft anzu­pas­sen in der Lage ist – ebenso kann auch ein hoher Qua­li­täts– und Ernäh­rungs­stan­dard für die Zuta­ten und Zusam­men­stel­lun­gen gewähr­leis­tet wer­den. Gewählt wer­den kön­nen nicht nur Bur­ger­zu­ta­ten, son­dern auch Salate, Gewürze, Tee­sor­ten, Bei­la­gen, Reis­ge­richte, Kalt­ge­tränke, Des­serts usw.

Aus dem Bei­spiel der Firma “4food” las­sen sich gene­rell Prin­zi­pien die­ser Unter­neh­mens­po­li­tik ablei­ten — und kon­krete Vor­teile formulieren:

- „Crowd­sour­cing“ ent­las­tet ins­be­son­dere Gastronomie-Unternehmer. Allein Zuta­ten und ein gut koor­di­nier­ter Web­sei­ten­auf­tritt sind erfor­der­lich, um Kun­den­wün­sche direkt umset­zen zu kön­nen. Eine direkte Spei­se­karte zusam­men­zu­stel­len und diese auf regel­mä­ßi­ger Basis zu ver­än­dern, ent­fällt völ­lig. Hier­für sor­gen die Kunden:

- „Crowd­sour­cing“ bün­delt Ein­sich­ten und Kennt­nisse ver­schie­de­ner Ziel­grup­pen über kul­tu­rell geprägte Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten, medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­kei­ten und Kon­di­tio­nen (wie z. B. Lebens­mit­telun­ver­träg­lich­kei­ten) im Zusam­men­hang mit Mahl­zei­ten oder auch über „Trends“ in der kuli­na­ri­schen Nach­fra­ge­ver­än­de­rung bei Bevöl­ke­rungs­schich­ten, die einem Gas­tro­nom oder sei­nem Team auf ande­rem Wege nicht in einem sol­chen Spek­trum und in prä­zi­ser Klar­heit zur Kennt­nis gelan­gen könnten.

- „Crowd­sour­cing“ macht den Kun­den zum Gas­tro­no­mie­be­ra­ter: Nicht nur der Unter­neh­mer selbst pro­fi­tiert von die­ser Art Bera­tung, son­dern auch andere Gäste erhal­ten Infor­ma­tio­nen, die zu einer bewuss­te­ren Ernäh­rungs­ein­stel­lung führen.

- „Crowd­sour­cing“ in der Gas­tro­no­mie sagt letz­ten Endes „Junk Food“ den Kampf an. Bekannt sind gesund­heit­li­che Pro­blem­stel­lun­gen, die sich durch den Kon­sum von kalo­ri­en­hal­ti­gen Pro­duk­ten erge­ben, die große Kon­zerne ohne vor­he­rige Rück­spra­che mit ihren Kun­den anbieten.

In der Gegen­be­we­gung hierzu for­miert sich das in die­sem Arti­kel beschrie­bene Gas­tro­no­mie­seg­ment, wel­ches auf der posi­ti­ven Ide­en­ge­win­nung aus der Kun­den­ge­mein­schaft basiert und den berei­chern­den Dia­log zwi­schen Anbie­ter und Gäs­ten in den Vor­der­grund rückt.

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